
Die Primare

Vikaris
Primar der Finsternis und des Todes
Vikaris ist ein faszinierend vielschichtiger Charakter, dessen Wesen sich um die Gegensätze von Macht und Verzweiflung, Reinheit und Zerstörung rankt. Als Primar des Todes und der Dunkelheit verkörpert er das Unvermeidliche, das Jenseitige und die gnadenlose Wahrheit, die sich hinter dem Schleier von Licht und Schatten verbirgt.
Er war angeblich der Schöpfer der ersten Vampire – Wesen, die zwischen Leben und Tod wandeln und seine Vorstellung von Stärke und Überleben in sich tragen. Für seine Anhänger ist Vikaris sowohl ein Retter als auch ein Richter. Während er denjenigen, die ihm treu sind, unermessliche Macht verleiht, bringt er Verrat mit einer unvorstellbaren Strafe heim. Seine Lehren lehnen die Illusion der Hoffnung ab, die im Licht liegt, und feiern die Dunkelheit als die wahre Essenz allen Seins.
Vikaris erscheint als hochgewachsene, imposante Gestalt, deren Präsenz eine unheimliche Mischung aus Faszination und Furcht hervorruft. Sein Körper besteht aus lebendiger Dunkelheit, die sich ständig bewegt und windet, als wäre sie ein eigenes Wesen. Seine blutroten Augen glühen wie ein unheilvolles Feuer und scheinen tief in die Seelen der Sterblichen zu blicken, ihre tiefsten Ängste und Geheimnisse offenlegend. Sein Symbol – ein blutroter Rabe, umgeben von einem Kreis aus Finsternis – ist ein furchterregendes Omen, das seine Anhänger mit Stolz tragen und seine Feinde fürchten.
Vikaris ist getrieben von der Überzeugung, dass Dunkelheit und Tod die einzige unverfälschte Wahrheit sind. Für ihn sind Licht und Schatten, Leben und Hoffnung bloße Illusionen, die die Sterblichen in einem Netz aus Lügen gefangen halten. Er strebt danach, diese Illusionen zu zerstören und die Welt in ihren natürlichen Zustand zurückzuführen – eine Existenz, in der Stärke, Wahrheit und Dunkelheit regieren.
Sein Konflikt mit seiner Schwester Nyxara, der Primarin der Schatten, entspringt ihrer unterschiedlichen Auffassung von Dunkelheit. Während Nyxara die Dunkelheit als Schutzraum für die Schwachen sieht, betrachtet Vikaris diesen Ansatz als Verrat an der wahren Essenz der Finsternis. Für ihn ist Dunkelheit eine Prüfung, die die Starken erhebt und die Schwachen auslöscht. Ebenso hegt er eine tiefe Abneigung gegen Seliara, die Primarin des Mondlichts, da sie das einzige Licht in tiefster Nacht ist und somit ein Gegenpol zur Dunkelheit, weshalb er sie als Bedrohung seiner Vision betrachtet.
Vikaris ist sowohl gnädig als auch grausam. Jenen, die ihm bedingungslos dienen und seine Gebote befolgen, verleiht er immense Macht, Stärke und ewiges Leben. Doch Verräter und jene, die seine Lehren missachten, erwartet ein schreckliches Schicksal. Sie werden in die ewige Dunkelheit verbannt, wo sie nach Nahrung und Wasser gieren, ohne dieses Bedürfnis jemals gestillt zu bekommen.
Seine Priester behaupten, Visionen von Vikaris zu empfangen und sprechen in seinem Namen. Sie sind dafür verantwortlich, die heiligen Rituale zu leiten und dafür zu sorgen, dass das seine Lehren befolgt werden. Vikaris verlangt absolute Hingabe und erwartet, dass seine Anhänger im Einklang mit der Dunkelheit leben, die er geschaffen hat. Durch die Rituale und Opferungen, glauben sie, einen Teil seiner unermesslichen Macht zu empfangen und so selbst zu göttlichen Wesen zu werden.
Seit dem Krieg jedoch scheint seine Macht und Einfluss verblasst und seine Anhänger und Priester vertrieben oder verschwunden. Ein Mahnmal, dass von den beiden Primaren Seliara und Nyxara erschaffen wurde, zeichnet einen physischen Ort, an dem wohl Vikaris in die unendlichen Tiefen der Nichtexistenz verbannt wurde. Jenes Siegel schien bis heute ungebrochen, auch wenn es eine alte Prophezeiung gibt, ausgesprochen von seinen letzten Priestern:
„Wenn das Land wieder Leben trägt und Blut den Stein des Gefallenen berührt, wird der Rabe seine Schwingen erneut ausbreiten.“
Viele hielten diese Worte für das verzweifelte Flüstern eines untergegangenen Kultes. Doch mit der Rückkehr der Menschen nach Ardalayn und dem erneuten Erwachen der alten Mächte begann auch das Siegel zu schwinden.
Dann, eines Tages, erschien der erste Riss.
Niemand weiß, was sich in jener Nacht am Mahnmal ereignete. Sicher ist nur, dass die Finsternis zurückkehrte – und mit ihr Vikaris.
Seine Rückkehr blieb zunächst unbemerkt. Seine alten Anhänger waren verschwunden, seine Tempel zerfallen und sein Name vielerorts vergessen. Doch in den Schatten Ardalayns regte sich erneut etwas. Menschen berichteten von fremden Stimmen in ihren Träumen, von blutroten Raben und von einer Gestalt, deren Augen selbst die tiefste Dunkelheit zu durchdringen schienen.
Vikaris war zurück.
Doch diesmal schien er nicht gekommen zu sein, um Krieg zu führen.
Er war gekommen, um seine Macht zurückzugewinnen.


Bekannte Götter in Vikaris Reihen (vor der Nacht der Ewigen)
Alazarion, Herrscher der Raben
Alaric Vorynthar ist ein Name, den Gelehrte nur flüsternd aussprechen und Priester lieber verschweigen. Auf den ersten Blick erscheint er wie ein Elf – hellhäutig, mit kurzem rabenschwarzem Haar und den scharf geschnittenen Zügen seines Volkes. Doch kein Elf trägt die Zeichen, die seinen Körper bedecken. Leuchtend rote Runen ziehen sich über jede freie Stelle seiner Haut, uralte Glyphen, deren Bedeutung keinem sterblichen Geist zugänglich ist. Manche behaupten, sie seien älter als die Welt selbst, andere glauben, sie seien Worte der Primare selbst.
An seiner Seite trägt er ein Schwert aus schwarzem Metall, dessen Klinge von denselben blutroten Runen durchzogen wird wie sein Körper. Es heißt, die Zeichen würden im gleichen Rhythmus pulsieren wie sein Herz, als seien Klinge und Träger untrennbar miteinander verbunden.
Auf seiner Schulter sitzt ein einzelner Rabe. Sein Gefieder verschluckt jedes Licht, seine Augen glimmen wie verloschene Kohlen. Das Tier wirkt weder ganz lebendig noch wahrhaft tot. Manche glauben, es sei ein Bote Vikaris', andere behaupten, der Primar selbst blicke durch dessen Augen auf die Welt.
An Alarics Handgelenken liegen schwere eiserne Fesseln. Obwohl die Ketten, die einst daran befestigt waren, längst gesprengt wurden, blieben die Armreifen zurück. Kein Schmied und kein Magier vermochte sie jemals zu lösen. Alaric selbst scheint es nie versucht zu haben. Er trägt sie als ständige Erinnerung an die einzige Niederlage, die ihm jemals zugefügt wurde.
Vor unzähligen Jahren herrschte Alaric über Morvael, ein mächtiges Reich, das als Bastion seines Vaters Vikaris, des Primars der Dunkelheit und des Todes, galt. Als der Große Krieg der Primare ausbrach, führte Alaric die Heere Morvaels in Vikaris Namen gegen die vereinten Mächte von Seliara, der Primarin des Mondlichts und der Wildheit, und Nyxara, der Primarin des Zwielichts und der Schatten. Die Schlachten verwüsteten das Land, und selbst Morvael blieb von ihrer Zerstörung nicht verschont.
Obwohl die beiden Primarinnen Alaric schließlich überwältigen konnten, gelang es ihnen nicht, ihn zu töten. Seine göttliche Natur widersetzte sich selbst ihrer Macht. Stattdessen banden sie ihn mit uralten Zaubern und schweren Eisenketten und sperrten ihn tief in das Innere eines alten Berges ein. Dort sollte er bis zum Ende aller Zeitalter gefangen bleiben, während Morvael dem Verfall preisgegeben wurde und schließlich zu jener Ruinenstadt wurde, deren Überreste bis heute existieren.
Doch die ältesten Prophezeiungen lassen sich selbst von Primaren nicht brechen.
Viele Jahre später führte das Schicksal die Elfe Rhaelyn in die vergessenen Tiefen des Berges. Ohne das volle Ausmaß ihres Handelns zu begreifen, erfüllte sie die uralte Weissagung und zerbrach die Ketten, die Alaric an sein Gefängnis banden. Lediglich die eisernen Fesseln an seinen Handgelenken widerstanden jeder Macht und blieben als einziges Relikt seiner Gefangenschaft zurück.
Von diesem Augenblick an verging nicht einmal ein Jahr.
Gemeinsam mit Rhaelyn zog Alaric durch die Reiche der Sterblichen. Doch anstatt einen offenen Krieg zu beginnen, setzte er auf Geduld, List und Manipulation. Mit großer Raffinesse spielte er die Anhänger Seliaras und Nyxaras gegeneinander aus, säte Zweifel, Misstrauen und Hass, bis ihre Bündnisse zerfielen und ihre Streitkräfte sich gegenseitig schwächten.
Als der richtige Moment gekommen war, drang Alaric zum Gefängnis seines Vaters vor. Nach einem erbitterten Kampf und einem uralten Ritual gelang es ihm schließlich, Vikaris aus seiner Gefangenschaft zu befreien und den Primar erneut in die Welt zu rufen.
Beliar, die gespaltene Zunge
